Die Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Neuzelle

Die Klosterkirche St. Maria Himmelfahrt war Kernstück des 1268 gestifteten Zisterzienserklosters Neuzelle. Vermutlich wurde um 1300 mit dem Bau begonnen. Im Jahr 1309 gewährte der Bischof von Meißen, dem Neuzelle unterstand, einen vierzigtägigen Ablaß, was auf die Weihe der Kirche hinweist. Dennoch war die Kirche nicht fertig. Mit der Weihe weiterer Nebenaltäre 1330 dürfte sie aber fertiggestellt gewesen sein. Es war eine den Gewohnheiten der Zisterziensermönche entsprechende ganz schlichte Kirche. Farbe gab es nicht. Gemäß des Grundsatzes Ora et Labora verbrachten die Mönche viele Stunden zur Ehre der Gottesmutter und zur Verherrlichung Gottes mit Gebet in der Kirche.

Dieses Gotteslob wurde durch die Hussiten 1429 jäh beendet, als diese brandschatzend und mordend durchs Land zogen. Die Kirche soll den alten Legenden zufolge erhalten geblieben sein. Um 1500 wurde die Kirche erneuert; sie erhielt einen neuen Dachstuhl und neue Gewölbe.

Im 17. Jahrhundert verheerte der Dreißigjährige Krieg das Land. Kirche und Kloster wurden beschädigt. Als der Abt die Mönche wieder sammeln konnte, um mit dem Gotteslob fortzufahren, mußten die Klostergebäude und die Klosterkirche neu hergerichtet werden. Mit Hilfe einer großartigen Stuck- und Freskoausstattung, geschaffen durch italienische Künstler aus Böhmen, entstand aus der gotischen Hallenkirche ein barocker Festsaal. Ein Bildprogramm aus alt- und neutestamentlichen Geschichten rahmt die Kirche ein.

Doch dies reichte noch nicht. In den Jahren um 1730 und 1740 wurde die Kirche ein weiteres Mal umgebaut. Künstler aus Böhmen gaben der Kirche ein einzigartiges und unverwechselbares Aussehen. Die aus der Funktion der Kirche als Gotteshaus eines Männerklosters her begründete Vielzahl der Nebenaltäre verwandelt den Kirchenraum in eine Prachtstraße, die den Kirchenbesucher hin zum Hochaltar zieht. Ein theologisches Programm geleitet den Besucher von der Landstraße, vom Alltag des Lebens hin zur überraschenden Erkenntnis der Emmaus-Jünger am Hochaltar: Christus ist von den Toten auferstanden! Doch über der Emmaus-Gruppe erhebt sich der imposante Hochalter, der, wie bei den Zisterziensern üblich, Mariä Himmelfahrt geweiht ist. Im Oberteil des Altares sind die drei göttlichen Personen, die Heilige Dreifaltigkeit, umgeben von den himmlischen Heerscharen, zu sehen. So führt Maria mit ihrer Himmelfahrt den Blick des Betrachters von der Emmaus-Gruppe hinauf zur Darstellung der ewigen, himmlischen Herrlichkeit. Am 24. September 1741 wurde dieser barocke Hochaltar geweiht. Der Grund für diese überwältigende Ausstattung dürfte in dem Selbstbehauptungswillens des katholischen Klosters in einer ihm fremd gewordenen Umwelt zu suchen sein.

Mit der Aufhebung des Klosters 1817 wurde diese Klosterkirche zur katholischen Pfarrkirche erklärt. Die bisherige Pfarrkirche wurde der neugegründeten evangelischen Gemeinde übergeben.

Am 2. September 1892 zerstörte ein gewaltiger Brand das Klostergebäude. Obwohl einige Fenster und der Dachstuhl bereits Feuer gefangen hatten, blieb die Kirche wie ein Wunder vor der Vernichtung bewahrt. Ein zweites Mal entging Neuzelle im Jahre 1945 äußerst knapp dem Untergang, als die Kirche ein Viertel Jahr im Frontbereich lag.

Seit 1969 wurden in der Kirche verschiedene Restaurierungsarbeiten durchgeführt, die dem Inneren wieder neuen Glanz verliehen. Die Restaurierungen wurden sehr zurückhaltend durchgeführt, so daß alles weitgehend im Originalzustand erhalten blieb. Leider mußten diese Arbeiten im Inneren 1991 eingestellt werden. In den Jahren 1999 - 2001 konnte die Sauer-Orgel von 1906 restauriert werden. Seit 1993 begann die Außenrestaurierung an Dach, Ost- Süd und Westfassade, Turm und Josephskapelle.

Durch die Grenzziehung von 1945 wurden die Nieder- und Oberlausitz von ihrem Bischofssitz in Breslau getrennt. Neuzelle war nun die einzig erreichbare alt-ehrwürdige Kirche der weiten Umgebung. Sie wurde so zum Wallfahrtsort der aus ihrer Heimat vertriebenen Katholiken. Sie suchen Trost und Halt bei Unserer Lieben Frau von Neuzelle und geben auch ihrer Freude im Lobe Gottes Ausdruck.

(nach Dr. Winfried Töpler)